Mehr weibliche Chefs

Die Gründungsberatung MOBIL wertete jetzt ihre Beratungsdaten von 2013 bis 2015 aus. Mit einem überraschenden Ergebnis: Mehr als die Hälfte aller Unternehmensgründer in Göttingen und im Landkreis waren Frauen.

Die Mehrzahl der Chefs ist immer noch männlich. Doch Frauen holen auf. Bereits seit drei Jahren verzeichnet der KfW-Gründungsmonitor ein Rekordniveau: Seit 2013 liegt der Anteil der Frauen, die sich entscheiden ihr eigenes Unternehmen zu gründen im Bundesdurchschnitt bei 43 Prozent. Der höchste jemals gemessene Wert. Die Gründungsberatung MOBIL, die Fachstelle für Existenzgründung der Beschäftigungsförderung Göttingen (kAöR), wertete jetzt Daten aus ihren Gründungsberatungen aus den Jahren 2013 bis 2015 aus - und kommt zu einem überraschenden Resultat: "52 Prozent aller Gründungsinteressierten, die wir in diesem Zeitraum in die Selbstständigkeit begleitet haben, waren Frauen. Damit liegen wir knapp 10 Prozent über dem Bundesdurchschnitt", freut sich Gründungsberaterin Tina Bergmann.

Die meisten Gründungsinteressierten kamen aus der Stadt und dem Landkreis Göttingen, aber auch aus dem Harz, Hann.Münden, Kassel, dem Eichsfeld und Heiligenstadt. Zwischen 2013 und 2015 begleitete das Berater-Team 250 Neugründungen.


Ungenutztes Potenzial
 

Den Grund für diesen Erfolg sieht Bergmann im abgestimmten Beratungsangebot der Gründungsberatung MOBIL. "Frauen sind bei Gründungen stark sicherheitsorientiert. Zweifel und das Risiko zu scheitern reduzieren sie durch eine lange und akribische Vorbereitung. Wir unterstützen sie durch umfassende Informationen und begleiten die Frauen vom Businessplan bis zur Eröffnung", berichtet Bergmann. Dieser Aufwand macht sich bezahlt: Von Frauen gegründete Unternehmen haben am Markt auch langfristig Bestand. Dennoch sieht die Gründungsberaterin keinen Anlass, in den Bemühungen nachzulassen das ökonomische Potenzial von Frauen weiter nutzbar zu machen. Denn noch gründet die Mehrzahl der Frauen im Nebenerwerb, nur 39 Prozent weist der KfW-Gründungsmonitor für weibliche Gründungen im Vollerwerb aus. Die Vereinbarkeit von Familie und Job spielen dabei eine wichtige Rolle. Hinzukommt, dass Frauen traditionell eher im Dienstleistungssektor gründen. "Gerade im Handwerksbereich sind Chefinnen unterrepräsentiert. An Know-how mangelt es nicht. Was fehlt ist ein Umdenken in der Gesellschaft, dass es auch junge, erfolgreiche Gründerinnen gibt und noch mehr Frauen, die sich an ihnen orientieren", führt Tina Bergmann aus.

Die Gründungsberatung MOBIL ist eine Fachstelle für Existenzgründung in der Region Göttingen und gehört zur Beschäftigungsförderung Göttingen (kAöR). Sie berät umfassend zu allen wichtigen Themen der Selbständigkeit und unterstützt bei der Beantragung von Fördermitteln und Krediten. Gründungsinteressierte erhalten zusätzlich in Workshops und Seminaren detailliertes Wissen. In Kooperation mit der Koordinierungsstelle "Frauen in der privaten Wirtschaft" und durch spezielle Angebote verschafft die Gründungsberatung MOBIL gründungsinteressierten Frauen zudem Zugang zu regionalen Netzwerken. Als feste, kostenlose Termine bietet die Gründungsberatung MOBIL einen Chefinnenabend (erster Mittwoch im Monat ab 19 Uhr im Apex) und an jedem zweiten Mittwoch im Monat ein Gründerinnenfrühstück (ab 9:30 Uhr im Café Botanik) an.