Nachhaltig auf ganzer Linie: Apfelsaft aus Göttingen

Der Rotary Club Göttingen-Sternwarte (RC) und die Produktionsschule packten in diesem Jahr gleich zweimal zusammen an. Sie ernteten regionale Äpfel, ließen Saft pressen und spendeten ihn anschließend.

Vom Apfel bis zum Saft: Die Schüler*innen der Produktionsschule lernten den gesamten Zyklus der Produktion kennen. (Foto: BFGoe)

Die Zusammenarbeit hat schon Tradition. Einmal im Jahr entwickeln der Rotary Club Göttingen-Sternwarte (RC) und die Produktionsschule ein gemeinsames Praxisprojekt. Doch in diesem Jahr packten der RC und die Produktionsschule gleich zweimal gemeinsam an: Im Januar bauten sie hölzerne Aufzuchtkisten, mit deren Verkaufserlös sie die Biotop-Pflege z.B. des Kerstlingeröder Feldes unterstützten. „Dabei ist uns aufgefallen, dass es dort überall Apfelbäume gibt, deren Früchte einfach verrotten. So entstand die Idee, im Herbst daraus Apfelsaft herzustellen und ihn dann zu spenden“, erläutert Sandra Hinz, diesjährige Präsidentin des RC Göttingen-Sternwarte.

Die ersten Oktobertage standen im Zeichen der Apfelernte. Um eine ausreichende Menge Saft herstellen zu können, mussten mindestens 1,5 Tonnen Äpfel gepflückt, heruntergeschüttelt und aufgesammelt werden. „Während die Schülerinnen und Schüler und Teilnehmende aller BFGoe-Jugendwerkstätten die Streuobstwiesen übernahmen, ernteten Clubmitglieder des RC Göttingen-Sternwarte und ihre Familien auf dem Gelände des Golfclub Hardenberg. Nach drei Tagen Arbeit kamen wir so am Ende auf unglaubliche zwei Tonnen Äpfel“, berichtet Ralf Ruther, Leiter der Produktionsschule, stolz.

Eine mobile Mosterei verarbeitete dann die Äpfel auf dem Hof der Produktionsschule zu Saft und füllte ihn in Zapfbeutel ab. Das Ergebnis waren ca. 1400 Liter Direktsaft aus dem Göttinger Umland. Zur besseren Handhabung steckt dieser Beutel in einem Pappkarton, für den die Schüler*innen im Rahmen des Unterrichts ein eigenes Etikett entwickelten. „Die Nachhaltigkeit spielte bei allen Schritten eine wichtige Rolle. Der Pappkarton ist wiederverwendbar, der Zapfbeutel aus Polyethylen recyclingfähig und der Apfeltrester wird als Zufütterung für Wildtiere verwendet“ ergänzt Frau Prof. Dr. Christiane Burbach, Mitglied des RC Göttingen-Sternwarte und Hauptorganisatorin des Apfelsaftprojektes. 55 Saftkisten bzw. 275 Liter des lokal gewonnenen Apfelsaftes wurden anschließend an fünf Göttinger Grundschulen gespendet. Die restlichen Saftkartons werden verkauft und der Erlös dem Projekt „End Polio Now“ zugeführt. „Eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten. Die Jugendlichen lernten viel über die Herstellung von Saft, Regionalität und Nachhaltigkeit, aber auch die Grundschulen und das Projekt End Polio Now profitieren direkt davon. Anschaulicher und nachhaltiger kann Unterricht nicht sein“, resümiert Ralf Ruther.

Die Produktionsschule bietet Jugendlichen zwischen 13 und 16 Jahren, die die Angebote von Regelschulen nicht annehmen, die Möglichkeit, durch praxisorientierte Methoden und kleinere Gruppen einen Hauptschulabschluss zu erlangen und eine Anschlussperspektive zu entwickeln. Aus einer seit sechs Jahren bestehenden Kooperation heraus, entwickelten 2018 der Rotary Club Göttingen-Sternwarte und die Produktionsschule das Konzept für ein wiederkehrendes Jahresprojekt: Während eines mehrmonatigen Praxisunterrichts werden nützliche und nachhaltige Gegenstände aus Holz hergestellt. Die Jugendlichen setzen sich theoretisch, planend und handwerklich damit auseinander, was sie später selbst herstellen sollen. Darüber hinaus erarbeiten sie Infos zum Spendenempfänger. Das Material für die Produkte spendet der Rotary- Club Göttingen Sternwarte, die BFGoe stellt die Betriebsmittel.