Kommt Zeit, kommt Rad

Aus wertlosem Abfall etwas Neues, Nützliches schaffen: Dem Aufruf des Bundesverbands der Produktionsschulen e.V. zum „Reste-Retter“ zu werden, sind die Schüler*innen der Produktionsschule jetzt gefolgt. Einzige Maßgabe: Die Upcycling-Produkte müssen einen echten Verwendungszweck und Marktwert besitzen.

„Das war für uns eine Steilvorlage, da wir jedes Jahr im Fachbereich Holztechnik innerhalb des Praxisprojekts ein Produkt mit Mehrwert entwickeln und herstellen, das sich auch verkaufen lässt“, erklärt Fachanleiter Nils Ackermann.

Im Rahmen des Praxisprojekts, das unter dem Motto „Lernen durch Lehren“ steht, arbeitet die Produktionsschule seit Langem mit dem Rotary Club Göttingen-Sternwarte zusammen. „Gemeinsam mit unseren Kids erarbeiten wir ein Produkt, das sie dann auch von A bis Z herzustellen lernen. Danach leiten sie die Mitglieder des Rotary Clubs an, die in ihrem Berufsleben meist nichts mit Handwerk zu tun haben“, führt Tischler Ackermann aus. Ziel ist es, die Teilnehmenden zu ermutigen, ihnen wieder Lust am Lernen und auf Schule zu machen und gegenseitiges Verständnis füreinander zu fördern.

Für das diesjährige Praxisprojekt besorgten die Teilnehmenden und das Team der Produktionsschule alte Fahrradfelgen, die aus Fahrrad-Werkstätten oder aus Aufräumaktionen der Stadt Göttingen stammten. Diese kombinierten sie mit Holz- und Metallresten aus Werkstätten und Uhrwerken aus Secondhand-Läden. Das Ergebnis kann sich wahrlich sehen lassen: Das ZeitRad“ ist eine nachhaltige moderne Wanduhr, jede ein handgefertigtes Unikat. Das ZeitRad hat das Team nun auch zum Rest-Retter-Wettbewerb eingereicht. Ob es damit unter die ersten drei kommt, entscheidet eine Jury im Juni. Dem Sieger*innenteam winkt eine Prämie von 750 Euro. Doch schon jetzt gehört die Produktionsschule zu den Gewinner*innen: Gemeinsam mit neun weiteren Teams aus Deutschland reisen sie zu einem Wochenend-Lerncamp nach Dresden. Der Spendenerlös für die Uhren und ein möglicher Gewinn sollen dem neuen Schulgarten zugutekommen, der künftig die frischen Zutaten für den Hauswirtschaftsunterricht liefern soll.

Die Produktionsschule ist ein Schulprojekt, für das die Stadt Göttingen und das Land Niedersachsen kooperieren. Konkret arbeiten hierfür die Außenstelle der Geschwister-Scholl-Gesamtschule und die BFGoe zusammen, um Schüler*innen, die zumindest momentan das Angebot ihrer regulären Schule nicht annehmen können, ein alternatives Schulangebot zu machen. Teilnehmende Schüler*innen werden in der Produktionsschule entweder regulär zum Hauptschulabschluss geführt oder nach einer Zeit der Stabilisierung wieder an ihrer Herkunftsschule reintegriert. Als ein Pfeiler der Arbeit dienen die beiden Praxisanteile Hauswirtschaft und Holztechnik.

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Die aus Recyclingmaterialien hergestellten Wanduhren werden gegen eine Spende abgegeben. Foto: BFGoe
Gemeinsam mit ihren Praxisanleitern entwickelten die Jugendlichen das ZeitRad, das sie beim "Reste-Retter" Wettbewerb einreichten. Foto: BFGoe