Sehen, was sonst verborgen bleibt
Was passiert, wenn junge Menschen die Brüche in ihrem Leben nicht verstecken, sondern sichtbar machen? Teilnehmende der Jugendwerkstatt „Media Office“ haben eine Ausstellung erarbeitet, die Lebenswege würdigt, Stärke sichtbar macht und nun im Sozialministerium besondere Anerkennung erfährt.
In einer Gesellschaft, die nach Perfektion strebt, sind Brüche in der Biografie oft Makel und werden als Schwäche gedeutet. Die Ausstellung "RISSE" der Jugendwerkstatt „Media Office“ stellt sich bewusst gegen dieses Verständnis. Jetzt wird dieser Ausstellung - und mit ihr der Arbeit der Jugendwerkstätten - besondere Aufmerksamkeit zuteil. Anfang Juni eröffnete Andreas Philippi, niedersächsischer Minister für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Gleichstellung, die Ausstellung des „Media Office“ im Foyer des Sozialministeriums.
„Manchmal braucht es einen zweiten oder sogar dritten Anlauf“
In den eindrucksvoll gestalteten, persönlichen Bildern setzten sich die Teilnehmenden mit ihren individuellen Lebenswegen auseinander. Selten sind diese gerade verlaufen, oft von Hindernissen geprägt. Um ihre positive Entwicklung sichtbar zu machen, bearbeiteten sie digital ihre eigenen Porträts, ergänzten sie um Statements. Das fachliche Handwerkszeug dafür erlernten sie in der Jugendwerkstatt. „Im Leben läuft nicht immer alles nach Plan. Manchmal braucht man einen zweiten oder sogar dritten Anlauf. In unserer Arbeit geht es deshalb auch darum, die Jugendlichen zu motivieren, die Risse in ihrem Leben als Teil ihres eigenen Weges anzunehmen“, erklärt Fachanleiter Hans Dieter Wöhrle, der zusammen mit den Teilnehmenden und seinen Kolleg*innen nach Hannover gereist ist. Er ergänzt: „Die Ausstellung hier hat für die Jugendlichen einen besonderen Stellenwert. Denn sie macht für sie erfahrbar, dass aus Negativem Positives entstehen kann und ihre Arbeit wertgeschätzt wird.“
Die Jugendwerkstätten der BFGoe bieten jungen Menschen bis 26 Jahren einen Rahmen, ihre Fähigkeiten zu entdecken und gemeinsam mit Sozialpädagog*innen, individuelle und tragbare Perspektiven für ihre Zukunft zu entwickeln. Dabei können sie sich handwerklich in der Tischlerei, technisch in der Metall- und Kfz-Werkstatt, gestalterisch im Media Office und sozial bei Vitalia ausprobieren. Die individuelle Förderung, Selbstwirksamkeit und soziale Teilhabe steht dabei im Zentrum. Die Jugendwerkstätten finanzieren sich aus einem Mix aus Bundes- und Landesmitteln, EU-Fördertöpfen und kommunaler Finanzierung.
Die Ausstellung „RISSE“ ist noch bis zum 31. Oktober im Sozialministerium am Hannah-Arendt-Platz 2 in Hannover zu sehen.
Der Eintritt ist kostenfrei.