Rezept für Rezept
Vor einem Jahr hat die BFGoe eine Lehrküche eröffnet, inzwischen weit mehr als ein Ort zum Kochen. Ein neues Pilotprojekt zeigt, warum Sprache manchmal der wichtigste Arbeitsschritt ist.
Seit November 2024 gibt es bei der BFGoe die professionell ausgestattete Lehrküche „Großer Globus“. Was als neues Angebot zur beruflichen Orientierung startete, hat sich innerhalb eines Jahres zum festen Baustein der Arbeitsförderung etabliert. Im „Großen Globus“ sammeln Teilnehmende, die aktuell Bürgergeld beziehen und sich beruflich in Richtung Gastronomie orientieren möchten, praktische Erfahrungen. Gekocht wird nicht „auf Probe“, sondern unter realistischen Bedingungen – mit klaren Abläufen, festen Zeiten und hohen Standards. Küchenchef Detlef Koch vermittelt Grundlagen der Lebensmittelverarbeitung, Hygienevorschriften, Fachvokabular und Arbeitssicherheit. Viele Teilnehmende bringen bereits berufliche Vorerfahrung mit und möchten wissen, wie Vorgaben und Regeln in Deutschland aussehen. Die Teilnahme ist flexibel angelegt: Je nach persönlicher Situation bleiben die Teilnehmenden zwischen vier Wochen und bis zu einem Jahr im Projekt. In dieser Zeit erhalten sie auch Unterstützung beim Aufbau einer Tagesstruktur und im Bewerbungsprozess.
Ein zusätzliches Pilotprojekt im „Großen Globus“, das im September startete, umfasst eine Arbeitsgelegenheit (AGH) mit integriertem Sprachmodul. Bis zum 31. Dezember stehen elf zusätzliche Plätze zur Verfügung. Unterricht im klassischen Sinn gibt es nicht. Auf zwei Tage Sprache lernen folgen drei Tage Arbeit in der Küche, an der das neue Wissen angewendet wird. Der Fokus liegt auf dem, was im Arbeitsalltag zählt: praxisnahes Sprechen, Verstehen, Nachfragen, Kommunizieren im Team. Schon nach wenigen Wochen zeigen sich deutliche Fortschritte. „Kochen konnte ich schon. Ich lerne hier die Fachbegriffe und mit dem Team zu sprechen. So kann ich zeigen, was ich kann“ erklärt Vira Shyba. Die 31jährige Ukrainerin ist ausgebildete Köchin möchte ihre Sprachkenntnisse weiter ausbauen, um in Deutschland wieder in ihrem erlernten Beruf arbeiten zu können. Neu an diesem Ansatz ist, dass Sprache nicht abstrakt und losgelöst vom Kontext vermittelt wird, sondern gezielt dort geübt wird, wo sie über Teilhabe entscheidet. Die Zukunft des Pilotprojekts ist noch offen. Klar ist aber: Der Bedarf ist da, und die bisherigen Erfahrungen sind vielversprechend.