Rettungsanker Jugendwerkstätten

Wie gut unterstützen Jugendwerkstätten junge Menschen? Die neue Landes-Evaluation liefert deutliche Antworten – und einige überraschende Befunde. Welche Entwicklungen fallen besonders ins Gewicht?

Niedersachsenweit besuchten in den letzten zwei Jahren rund 6.700 junge Menschen eine Jugendwerkstatt – viele von ihnen kommen mit Brüchen in der Bildungsbiografie, fehlender Orientierung oder persönlichen Belastungen. Eine neue landesweite Untersuchung im Auftrag des Sozialministeriums zeigt nun, welche Rolle die Werkstätten für diese Gruppe spielen und wo Verbesserungsbedarf besteht. Der Bericht fasst Daten aus Befragungen, Fallstudien und Workshops zusammen und kommt zu dem Schluss: Jugendwerkstätten erreichen junge Menschen mit sehr unterschiedlichen, oft komplexen Problemlagen – und sie tun es erfolgreich.

Viele Teilnehmende der Werkstätten würden erstmals wieder verbindliche Strukturen erleben. Die Jugendlichen selbst berichten von enger Begleitung, ernsthafter Unterstützung und einem sicheren Rahmen, der es ihnen ermöglicht, Schritt für Schritt wieder Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten aufzubauen oder zurückzugewinnen. Gerade der persönliche und individuelle Zugang und das enge das Zusammenspiel verschiedener Professionen sind der Kern des Erfolgs. Sozialpädagoginnen, Sozialarbeiter und Fachanleiter gestalten den Alltag so, dass persönliche Probleme bearbeitet werden können und gleichzeitig praktische Arbeitserfahrungen entstehen. Orientierung geben, Stabilität ermöglichen und an berufliche Perspektiven heranführen – so lässt sich der Ansatz zusammenfassen, der alle Jugendwerkstätten verbindet.

Die starke Vernetzung mit Jobcentern, Schulen, Beratungsstellen und Betrieben trägt zudem dazu bei, Jugendliche zu erreichen und bei Bedarf weiterführende Unterstützung zu organisieren. Die Studie macht klar: " Ein Flyer reicht nicht. Wer junge Menschen in eine Jugendwerkstatt vermitteln möchte, darf sie nicht einfach dorthin schicken. Damit der Einstieg gelingt, brauchen die Jugendlichen persönlichen Kontakt – am besten einen begleiteten Besuch vor Ort, bei dem sie die Räume, die Mitarbeitenden und vielleicht sogar Teilnehmende kennenlernen. Erst durch dieses direkte Erleben entsteht Vertrauen, das viele der oft belasteten jungen Menschen überhaupt erst befähigt, einen neuen Schritt zu gehen, " schildert Sigrid Kleiß, Leiterin der BFGoe-Jugendwerkstätten.

Allerdings sehen sich die Jugendwerkstätten auch einem wachsenden Problem ausgesetzt: Einer stetig steigenden Zahl schulabsenter Jugendlicher bei gleichzeitig begrenzten Kapazitäten. Negativ wirken sich überdies vor allem im ländlichen Regionen lange Wege und eine eingeschränkte Mobilität aus. Steigende Kosten, unsichere Finanzierungen und fehlende psychologische Unterstützung belasten die Arbeit der Teams. „Es lohnt sich in die Jugendlichen zu investieren. In ihnen steckt wertvolles Potenzial. Gemeinsam arbeiten wir daran, dass sie das erkennen und verstehen, dass eine Ausbildung und ein Beruf erreichbare Ziele sind. Dafür brauchen wir verlässliche, finanzielle Rahmenbedingungen und klare Zuständigkeiten, um diesen Auftrag auch in Zukunft erfüllen zu können“, betont Sigrid Kleiß. 


Die Ergebnisse sind nachlesbar in: „Evaluation der Niedersächsischen Jugendwerkstätten.“
Abschlussbericht, Oktober 2025; Zoom – Sozialforschung und Beratung GmbH, Göttingen im Auftrag des Niedersächsischen Ministeriums für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Gleichstellung. 
Den vollständigen Bericht finden Sie HIER.

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Geben eine Perspektive für die Zukunft: Die BFGoe-Jugendwerkstätten. (Foto: BFGoe)