„Du fehlst!“ - Tagung zum Schulabsentismus

Wie muss ein Handlungskonzept aussehen, dass der steigende Zahl der schulverweigernden Kinder und Jugendlichen nachhaltig entgegenwirkt? Dieser Frage gingen Berater*innen und Wissenschaftler*innen Mitte September auf einer Fachtagung in Göttingen nach.

Schule schwänzen, bummeln oder blau machen: Eine Erfahrung, die wahrscheinlich viele aus eigener Erfahrung kennen. Doch wenn aus der Ausnahme die Regel wird, der Schul- oder Ausbildungsabschluss gefährdet ist, wird Schulabsentismus zum Risikofaktor. Allein 2018 wurden in Göttingen 411 Fälle von Schulabstinenz anzeigt, 2017 waren es 382 Fälle. Diese Werte lassen zwar keine Rückschlüsse auf die absolute Anzahl der Kinder und Jugendlichen zu, die der Schule ferngeblieben sind, aber sie verdeutlichen eine Entwicklung, die auch Jürgen Dürr, Projektleiter von JUGEND STÄRKEN, seit längerem beobachtet. Er und sein Team bieten bereits seit 12 Jahren Kindern, Jugendlichen und deren Eltern Unterstützung beim Thema Schulverweigerung und -abstinenz. „Es scheint bei diesem Phänomen einen Grundwert zu geben, d.h. wie viele Fälle pro Jahr kontinuierlich angezeigt werden. Auffällig ist aber, dass dieser Grundwert über die letzten zehn Jahre gesehen kontinuierlich gestiegen ist“, fasst Jürgen Dürr zusammen. 2018 stieg die Zahl gegenüber 2008 um rund 68 Prozent an (2008: 244 Fälle)*

Die hohe Bedeutung dieses Themas für die Zukunft der Kinder und Jugendlichen nahmen die Bildungsregion Südniedersachsen e.V., die Universitätsmedizin Göttingen, die Landkreise Northeim und Göttingen und die BFGoe zum Anlass für eine Fachtagung. Unter dem Titel „Du fehlst“ Schulabsentismus – Ein Thema mit vielen Facetten“ erörterten am 12. September in Göttingen 150 Experten aus Wissenschaft und Beratungsstellen aus ganz Deutschland, wie eine Zusammenarbeit der Bildungseinrichtungen, Familien- und Jugendhilfe, Medizin und Justiz aussehen muss, um Schulabsentismus nachhaltig zu begegnen. „Die wichtigste Erkenntnis dieses fachlichen Austausches war, dass eine Vernetzung aller Beteiligten und ein gemeinsames Handlungskonzept von Eltern, Schulen und Behörden gewünscht ist“, fasst Jürgen Dürr die Ergebnisse zusammen. Ein Projektteam arbeitet nun einen Wegweiser für Eltern, Schüler und Lehrer.