Groner Landstraße 9: Lehren aus der Quarantäne

Die Bilder gingen durch die Medien: Zäune, aufgewühlte, verärgerte Menschen. Welche Lehren sich aus der Corona-Quarantäne in einem Göttinger Wohnkomplex ableiten lassen, besprach Sozialdezernentin Petra Broistedt mit Experten. Mit dabei: Mitarbeiter der Projekte "Check In" und "Check In-Job".

Neben Andrei Gaju (Check In), boten Ovidiu Ioan (Check In –Job; links) und Gudrun Steinmetz (BFGoe-Abteilungsleitung) den Anwohner*innen Informationen und Unterstützung während der Quarantäne in der Groner Landstraße 9. (Foto: BFGoe)

Als Anfang Juni aufgrund stark gestiegener Infektionszahlen in der Groner Landstraße 9, Göttingen ein erneuter Lockdown drohte, wurde die Wohnanlage unter Quarantäne gesetzt. Als Ansprechpartner für rumänisch-sprachige Anwohner*Innen waren auch Andrei Gaju und Ovidiu Ioan aus den BFGoe-Projekten „Check In“ und „Check In-Job“ vor Ort. Sie dolmetschten, schrieben gemeinsam mit den Anwohnerinnen und Anwohnern Einkauflisten, führten Telefongespräche für das Gesundheitsamt und boten den in ihrer Bewegungsfreiheit beschränkten Anwohner*innen Unterstützung, Informationen und beruhigten sie.

Als Konsequenz aus dieser Situation, initiierte Sozialdezernentin und Leiterin des Corona-Krisenstabs, Petra Broistedt einen runden Tisch. „Ängste und Sorgen aufgrund einer Quarantäne sind vermeidbar. Deshalb ist es wichtig, Strategien zu erarbeiten, wie künftig in einer  solchen Situation verfahren werden – wichtiger aber noch – wie sie vermieden werden kann“, schildert Petra Broistedt die Intention. Experten vom Büro für Integration,  Gesundheits- und Ordnungsamt, der Jugendhilfe und dem Projekt Check In-Job, die mit den Menschen vor Ort zusammenarbeiten, entwickelten gemeinsam Ansätze, wie im Quarantänefall zielführend vorgegangen werden kann. Ana Petruca (Jugendhilfe) und Ovidio Ioan (Check In – Job) informierten dann vom 27. bis 31. August die Anwohner*innen über Entschädigungsregelungen für Arbeitgeber u. Selbstständige und die Notwendigkeit eines Corona-Tests für Urlaubsrückkehrer aus Risikogebieten. „Weil viele die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Jugendhilfe und BFGoe bereits kannten, konnte das Misstrauen aufgeweicht werden und Verständnis für die Maßnahmen geschaffen werden“, so Petra Broistedt.