Beschäftigungsförderung
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Beschäftigungsförderung Göttingen!

Beraten, Qualifizieren, Vermitteln – bereits seit über 20 Jahren ist die Beschäftigungsförderung Göttingen auf der kommunalen und regionalen Ebene aktiv. Kernbereiche sind die berufliche Unterstützung von Jugendlichen und Erwachsenen, die Umsetzung arbeitsmarktpolitischer Projekte und die Existenzgründungsberatung.

Unser aktueller Newsletter

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Dietmar Linne


Sehr geehrte Damen und Herren,

auch wenn wir weiterhin viel Zeit und Energie für die Weiterentwicklung unserer Willkommenskultur für Flüchtlinge in der Stadt Göttingen einsetzen - worüber wir immer wieder  berichten werden - liegt uns eine unserer Kernaufgaben, die Organisation von Übergängen von der Schule in den Beruf/Ausbildung und die Förderung von Benachteiligten, weiter sehr am Herzen.

In diesem Bereich hat sich in den letzten Jahren sehr viel getan. Die Zusammenarbeit der drei Institutionen  im SGB II, III und VIII, das JobCenter, die Agentur für Arbeit und die Kommune haben mit weiteren Akteuren vieles entwickelt, was vor einigen Jahren kaum denkbar war. So gibt es ein abgestimmtes regionales Übergangsmanagement Schule/Beruf, gemeinsame Finanzierungen übergreifender Maßnahmen und das Bestreben, eine gemeinsame Jugendberufsagentur einzurichten. Das ist nur konsequent und zielführend. Doch trotz all dieser positiven Entwicklungen vor Ort bleibt ein Grundwiderspruch,  bedingt durch die unterschiedlichen Zielsetzungen und damit verbundenen Haltungen gegenüber den jungen Menschen,  bestehen. Während  SGB II und III von selbstbestimmten und vollverantwortlichen jungen Menschen ausgehen, die bei „Fehlverhalten“ sanktioniert werden können und möglichst schnell in Ausbildung oder Arbeit vermittelt werden sollen, hat das SGB VIII (Jugendhilfegesetz) die Aufgabe, junge Menschen so zu fördern, dass sie am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Dieses Ziel bei Menschen zu erreichen, für die gleichzeitig Institutionen der drei unterschiedlichen Rechtssysteme Ansprechpartner sind, ist eine große Herausforderung, die lokal nur eingeschränkt umgesetzt werden kann. Hier ist der Gesetzgeber gefordert, die unterschiedlichen Wege und Ziele besser in Einklang zu bringen.

Viele reden von abgestimmten Förderketten zum Erreichen einer beruflichen Integration, doch im Alltag fehlt es oft an Mitteln und Instrumenten, dieses auch abgestimmt umzusetzen. Über praktische Erfahrungen aber auch Schwierigkeiten berichtet Sigrid Kleiß, Abteilungsleiterin Jugendwerkstätten und Produktionsschule.

Frauke Müller-Brandt, Abteilungsleiterin Jugendberatung, stellt das mit der Agentur für Arbeit und dem Landkreis Göttingen gemeinsam entwickelte flächendeckende Angebot  der „Berufseinstiegsbegleitung“ als erfolgreiche Kooperation der Rechtskreise SGB III und VIII vor.

Schon einmal hatte ich das Thema Unterschiede Coaching, Beratung oder Training angesprochen und eine große Resonanz erfahren. Die daraus resultierenden Ergebnisse unserer Arbeitsgruppe zum Thema stellt Florian Drude vor.

Im Zentrum unserer Aktivitäten für und mit Flüchtlingen steht Gudrun Steinmetz, die als unsere Koordinatorin im Projekt „Fairbleib“ viele „Baustellen“ gleichzeitig bearbeiten muss. Hier berichtet sie über ihre Erfahrungen.

Ihr Dietmar Linne

Sigrid Kleiß, Abteilungsleitung Jugendwerkstätten

SGB II, SGB III und SGB VIII – Unterschiedliche Ziele?

Wie können junge Menschen mit einem Förderbedarf, sprich mit sozialen, strukturellen Benachteiligungen in den Arbeitsmarkt integriert werden? Eine Frage - verschiedene Herangehensweisen.  Junge Menschen, die einen solchen Förderbedarf haben, können Hilfsangebote über verschiedene Möglichkeiten bekommen, geregelt sind die Förderungen in den Sozialgesetzbüchern SGB II, III und VIII. Dazu kommen die Programme des Europäischen Sozialfonds für Deutschland – ESF. 

Durch die verschiedenen gesetzlichen Rahmenbedingungen kann es passieren, dass  bei Kombination der Förderinstrumente diese sich gegenseitig nicht ergänzen – sondern abschwächen! Grundsätzlich verfolgen zwar alle dasselbe Ziel – Benachteiligungen für die jungen Menschen möglichst auszugleichen und ihnen eine Chance auf eine erfolgreiche berufliche Qualifizierung und Integration in den Arbeitsmarkt zu verschaffen - nur bei der Umsetzung ergeben sich in der Praxis häufig Probleme. 

So muss die Agentur für Arbeit arbeitsmarktorientiert arbeiten. Konkret heißt das, dass alle Förderangebote darauf abzielen, die Teilnehmenden in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt zu vermitteln. Die Jugendhilfe nach SGB VIII hat größere Spielräume - dort ist primär gefordert, die jungen Menschen zu stabilisieren und sinnvolle, realisierbare Schritte  mit den Teilnehmern zu entwickeln und umzusetzen. Das kann bei Einem die Bereitschaft sein, sich in therapeutische Behandlung zu begeben, um die gesundheitlichen Voraussetzungen für eine Arbeitsmarktintegration zu schaffen, bei  Anderen ist es die Motivation, einen Realschulabschluss zu erreichen, um sich für die Wunschausbildung  bewerben zu können. Bei einem Dritten kann der nächste Schritt ein FSJ oder ein Minijob sein – manche brauchen mehr Zeit für die persönliche Stabilisierung – bevor sie in der Lage sind, eine Ausbildung erfolgversprechend zu beginnen. 

Diese nach Jugendhilfe SGB VIII als Erfolg zählende Anschlussperspektive wird nach den Erfolgsindikatoren der Agentur für Arbeit als „Ziel nicht erreicht“ verbucht. „Ziel erreicht“ erhält eine Perspektive nur dann, wenn der Teilnehmer in ein sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis oder in eine betriebliche  Ausbildung vermittelt wird.

„Dies ist bei einigen benachteiligten jungen Menschen aber kein Ziel, das innerhalb eines  gesetzten Zeitlimits erreicht werden kann“ - so Sigrid Kleiß von der BF Goe, Abteilungsleiterin Jugendwerkstätten und Jugendprojekte. „Manchmal braucht es  die genannten Zwischenschritte – z.B. den Realschulabschluss –  und der Teilnehmer geht später in Ausbildung.  Das aber entspricht oft nicht der Zielsetzung der Agentur für Arbeit in Nürnberg. Dabei fehlt es nicht am Willen, betont Kleiß. Jede und Jeder der beteiligten Akteure sei engagiert, indem immer wieder nach Umgehungslösungen gesucht werde, die sich nach dem Bedarf des Jugendlichen richteten. Schwierig sei mitunter, dass die zentral gesetzten Ziele sich in der Erfolgsbewertung häufig massiv von denen der Jugendberufshilfe und damit auch von der Lebenswirklichkeit der Jugendlichen unterschieden. Hat nach Ansicht der Jugendberufshilfe ein junger Mensch große Entwicklungsschritte getan, gilt auf der anderen Seite die Maßnahme als erfolglos wenn keine (direkte) Vermittlung in den Arbeitsmarkt erfolgt ist.

„Benachteiligte Jugendliche brauchen teilweise flexiblere Strukturen, um Fortschritte machen zu können“, so Kleiß, „hier muss geprüft werden, ob diese Flexibilität auch in unseren Richtlinien vertreten ist“.

Begleitung im Schulalltag


(v.l. Thomas Döhrel, Laura Herwig, Janosch Karath, Renate Mutz, Werner Kachel, Julia Schattenberg, Olaf Greßmann)

Im November vergangenen Jahres hat die Berufseinstiegsbegleitung ihre Arbeit an Göttinger Schulen aufgenommen. „Wir haben ein Team mit sieben Mitarbeitern zusammengestellt und mit den Schulen besprochen, wie die Berufseinstiegsbegleiter dort eingebunden werden“, erklärt Abteilungsleiterin Frauke Müller-Brandt.

Ziel der Begleitung ist es, Schülerinnen und Schüler dabei zu unterstützen, den Hauptschulabschluss zu erlangen und den Weg in eine Berufsausbildung zu finden. „Wir betreuen Jugendliche ab der 8. Klasse vor Ort in der Schule“, so Müller-Brandt, „aber auch über den Schulabschluss hinaus, was eine Besonderheit ist“. 

Um das Angebot mit 120 Plätzen zu ermöglichen, stellen die Agentur für Arbeit Göttingen und die Stadt Göttingen jeweils 50 Prozent der Mittel bereit. Welche Schüler teilnehmen sollen, wird von Seiten der Schulen vorgeschlagen, die sich dann auch an die Eltern wenden. Die Entscheidung liegt bei der Berufsberatung. „Durch unsere Präsenz an den Schulen haben wir sogar schon die Situation gehabt, dass Schüler an uns herangetreten sind und gefragt haben, ob sie an der Betreuung teilnehmen können“. Viele der teilnehmenden Schüler haben einen Migrationshintergrund.

Sechs Schulen (Heinrich-Heine-Schule, Käthe-Kollwitz-Schule, Geschwister-Scholl-Gesamtschule, Georg-Christoph-Lichtenberg-Gesamtschule, Bonifatiusschule II, Förderschule Am Rhons) beteiligen sich an dem Projekt. Jeder Schule sind ein oder zwei Berufseinstiegsbegleiter zugeordnet. Die Betreuung und Beratung umfasst Themen wie Schule und Ausbildung, bietet aber auch Raum für das, was das Leben der Jugendlichen gerade bestimmt: Probleme zuhause können genauso Thema sein, wie das Erstellen einer Praktikumsbewerbung.

Besonderheit ist auch die regionale Einbindung des Projektes. So wurde die Berufseinstiegsbegleitung zeitgleich an den Schulen des Landkreises Göttingen eingeführt. „Wir arbeiten eng zusammen und tauschen uns regelmäßig aus, um ähnliche Standards zu gewährleisten“, so Müller-Brandt.

Florian Drude, Moderator der Arbeitsgruppe

Coaching, Training und Beratung – Wo liegt eigentlich der Unterschied?

Begrifflichkeiten wie Coaching, Beratung und Training sind im beruflichen Kontext aktuell überall zu hören. Das Thema ist vor allem für Bildungsträger wichtig, da es in der Regel in Ausschreibungen gefordert wird. Was jedoch genau der Unterschied zwischen Coaching und Beratung ist und ob es tatsächlich einen gibt, ist häufig unklar.

Vor diesem Hintergrund hat die BFGoe eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die beauftragt wurde, die Begrifflichkeiten für die tägliche Arbeit zu definieren. Außerdem sollen bestimmte Qualitätsstandards für die Arbeit mit den Teilnehmern der Einrichtungen festgelegt werden.

„Unser Ziel war, Definitionen zu erarbeiten, die es der BFGoe ermöglichen, Anfragen von Kunden zuzuordnen und eine entsprechend qualitative Beratung zu gewährleisten“, beschreibt Florian Drude, Moderator der Arbeitsgruppe.

Wichtig war besonders die Festlegung von Kriterien für die Qualität bei Beratung und Coaching: „Wir haben hier einen Kriterienkatalog mit den Bereichen Struktur, Prozess und Ergebnis festgelegt, die als Richtlinie genutzt werden können“, so Drude.

Die Runde kam zu folgenden Ergebnissen: Die Begriffe Coaching, Beratung, Training sowie pädagogische und sozialpädagogische Beratung können zwar klar voneinander abgegrenzt werden. „Allerdings ist das für die Arbeit der BFGoe nicht sinnvoll“, betont Drude. Bei der Beratung eines Teilnehmers sei es sinnvoller, unterschiedliche Ansätze zu verfolgen, als sich auf nur eine Vorgehensweise festzulegen. Entscheidend sei, die Professionalisierung der Arbeit der BFGoe - z.B. durch die Ausweitung von Weiterbildungen - weiter voranzutreiben.

Es ist eine Herausforderung, den Überblick zu behalten


Gudrun Steinmetz, Leiterin des BiF

„Als wir letztes Jahr im Mai anfingen zu planen, was für die Betreuung von Flüchtlingen von unserer Seite nötig ist, musste alles ganz schön schnell gehen“. Gudrun Steinmetz hat vor 15 Jahren bei der BF Goe als Projektkoordinatorin angefangen. Heute organisiert sie die Bildungs- und Beschäftigungsprojekte für Flüchtlinge der Stadt Göttingen im neu gegründeten Bildungszentrum für Flüchtlinge, kurz: BIF. Zeit sich Gedanken über die Umsetzung zu machen, blieb im vergangenen Jahr kaum. „Wir mussten zusehen, dass wir Konzepte entwickeln, die das abdecken, was die Menschen brauchen. Dabei blieben die Strukturen ein wenig auf der Strecke“, erzählt sie. Jetzt ist sie Organisatorin, Koordinatorin, und Netzwerkerin in einem.

Die angebotenen Projekte untergliedern sich in drei Bereiche: Die Sprachförderung, die berufliche Qualifizierung - WiG (Willkommen in Göttingen) genannt - sowie die Vermittlung in Praktika und Arbeit. Letzteres über das Netzwerk-Projekt „FairBleib“. Dieser Ablauf sei als Göttinger Prozesskette entwickelt worden, die mittlerweile auch Nachahmer in anderen Städten gefunden habe. 

Die Flüchtlinge sind nach ihrer Ankunft in Göttingen auf diese Weise 15 Monate lang mit ihren Qualifizierungsmaßnahmen befaßt, Maßnahmen, die auch potentiellen Praktikumsbetrieben und Arbeitgebern zusagen und einen Einstieg ins Berufsleben ermöglichen. Mit Erfolg: So konnten schon 28 der Teilnehmer in Praktika und Arbeitsstellen vermittelt werden, betont Steinmetz mit Stolz.

Menschen die Möglichkeit zur Arbeit zu geben, ihnen einen Platz anbieten, an dem sie mitarbeiten können, das bedeutet für die studierte Biologin, diesen Menschen mit Respekt zu begegnen. „Wir müssen schauen, was die Bedürftigen brauchen und die aktuelle Situation auch als Chance für uns und unsere Gesellschaft begreifen“, so Steinmetz, „eine Chance, dass auch Höflichkeit wieder einen Wert bekommt“. 

Was sie an ihrem Job reizt ist, dass eigentlich kein Tag dem anderen gleicht und immer etwas Neues passiert. „Wir haben keine Routine und können kreativ an die Entwicklung von Plänen herangehen“. Etwas, was sie sehr herausfordert - aber auch glücklich macht. Es sei jeden Tag ein Spagat zwischen den Bedürfnissen der Kunden und dem professionellen Blick auf die Situation. 

Beschäftigungsförderung Göttingen (kAöR)
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Redaktion:
Dietmar Linne (verantwortlich), Carolin Schäufele (Text)

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geändert am 25.02.2016
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